Jeder dritte Ertrinkungsfall in Tschechien steht im Zusammenhang mit Alkohol. Ein Wasserretter erklärt, worauf man beim Schwimmen im offenen Wasser ac

Wie sollte man sich im offenen Wasser verhalten? Am besten mit einer Schwimmboje, rät ein Wasserretter und warnt vor Alkohol

 

An warmen Sommertagen zieht es viele Menschen zum Schwimmen an Stauseen, Seen, Flüsse oder Teiche. Auch wer gut schwimmen kann, kann seine Kräfte falsch einschätzen oder plötzlich von einem Muskelkrampf überrascht werden. Dann kann die Situation sehr schnell gefährlich werden. Eine erhebliche Rolle spielt dabei auch Alkohol, der das Risiko deutlich erhöht. Wir haben Daniel Vičan, Mitglied des Präsidiums des Wasserrettungsdienstes der Tschechischen Republik, gefragt, zu welchen Einsätzen Wasserretter am häufigsten ausrücken und wie die Wiederbelebung einer ertrinkenden Person abläuft. Außerdem machte er auf eine laufende Präventionskampagne aufmerksam, die in den sozialen Medien und im Programm des Tschechischen Fernsehens zu sehen ist.

Wie stark nimmt Ihre Tätigkeit in den Sommermonaten im Vergleich zum Rest des Jahres zu?

Unsere Tätigkeit für die Öffentlichkeit läuft ungefähr von Mai bis Ende September, abhängig vom Wetter und davon, wie viele Menschen sich an Badestellen aufhalten. Außerhalb dieser Zeit trainieren wir und bereiten uns das ganze Jahr über vor.

Zu welchen Fällen werden Sie am häufigsten gerufen?

Wir sind eine hybride Komponente des integrierten Rettungssystems, deshalb kümmern wir uns nicht nur um medizinische Notfälle, sondern auch um sinkende Boote oder Wasserfahrzeuge, die manövrierunfähig geworden sind. Dazu kommen Intoxikationen, Übelkeit, Verletzungen am Wasser, Verletzungen nach Stürzen ins Wasser und natürlich Ertrinkungsfälle. Also im Grunde um alle Situationen, die mit der Bewegung von Menschen am und im Wasser zusammenhängen.

Gibt es grundlegende Regeln, an die sich Menschen halten sollten, wenn sie ins offene Wasser gehen?

Ja. Wenn man ins offene Wasser geht, sollte jemand davon wissen. Wenn man zum Beispiel an einem Stausee schwimmen geht, ist eine Schwimmboje eine der besten Sicherheitsmaßnahmen. Sie ist reflektierend und vor allem schwimmfähig. Wenn ich zum Beispiel einen Krampf bekomme, kann ich mich an der Boje festhalten, mich ausruhen und die Situation leichter lösen.

Wenn ich am Ufer entlanggehe und sehe, dass jemand ertrinkt, was soll ich tun? Soll ich den Notruf wählen oder selbst ins Wasser springen?

Wenn ich sehe, dass jemand ertrinkt, sollte ich auf jeden Fall den Notruf 112 wählen, in Tschechien gegebenenfalls auch 155, damit ich bei der Rettung nicht allein bin. Danach schaue ich mich um, ob ich etwas zur Verfügung habe, zum Beispiel ein Paddleboard, ein Seil, einen Rettungsring oder einen Ast. Ein direkter persönlicher Rettungsversuch im Wasser sollte immer die letzte Möglichkeit sein. Wenn eine ertrinkende Person noch Kraft hat und man zu ihr hinschwimmt, kann sie versuchen, sich an einem hochzuziehen, und dabei den Retter unter Wasser drücken. Selbst ein zehnjähriges Kind kann in Panik einen erfahrenen Schwimmer ernsthaft gefährden.

Wenn ein Kind ertrinkt, ist es für Eltern natürlich schwer, nicht sofort hinterherzuschwimmen. Trotzdem ist es immer wichtig, nicht allein zu handeln, laut um Hilfe zu rufen und den Rettungsdienst zu alarmieren. Wenn man ins Wasser geht, sollte man etwas Schwimmfähiges mitnehmen, denn eine ertrinkende Person kann den Retter mit unter Wasser ziehen.

Wie läuft die Rettung einer ertrinkenden Person ab?

Als Wasserrettung sehen wir nur einen sehr kleinen Teil der Situationen, in denen jemand tatsächlich gerade ertrinkt. Der Grund ist einfach: Es geht sehr schnell. Ertrinken ist eine Frage von wenigen Minuten. Die Kräfte lassen sehr schnell nach, und meistens übernehmen wir die Rettung erst an Land. Wenn jemand bereits unter Wasser ist, ist es zum Beispiel in einem Stausee mit dunklem Wasser sehr schwierig, die Person zu finden. Oft sehen wir den Menschen erst, nachdem er aus dem Wasser gezogen wurde und bereits reanimiert wird.

Wichtig ist, die betroffene Person an Land zu bringen, damit sie in Sicherheit ist. Danach richtet sich das Vorgehen danach, ob sie atmet oder nicht. Wenn sie nicht atmet, muss mit Herzdruckmassage begonnen werden. Wenn sie atmet, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht, und trotzdem muss der Rettungsdienst gerufen werden. Jeder Ertrinkungs- oder Beinahe-Ertrinkungsfall, auch ein kleiner, sollte ärztlich untersucht werden. Wenn Wasser in die Lunge gelangt, können damit Krankheitserreger in den Körper kommen, die eine Lungenentzündung verursachen können. Deshalb ist eine Untersuchung im Krankenhaus wichtig. Man spricht dabei auch von sekundärem Ertrinken, das sich innerhalb von 48 Stunden zeigen kann, wenn es zu einer Schwellung der Lunge kommt.

Schwerwiegender ist die Situation, wenn die Person nicht atmet. Beim Ertrinken kommt es zum Kreislaufstillstand, weil nicht genug Sauerstoff im Blut ist. Wenn ich dann nur den Brustkorb drücke, verteile ich zwar Blut im Körper, aber dieses Blut ist nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Deshalb sind Beatmungen wichtig. Nach dem Herausziehen aus dem Wasser beginnen wir mit fünf initialen Atemspenden und machen dann im Verhältnis 30 : 2 weiter, also 30 Kompressionen und zwei Beatmungen.

Welche Rolle spielt Alkohol bei Ertrinkungsfällen?

Jeder dritte Ertrinkungsfall in Tschechien steht im Zusammenhang mit Alkohol oder Alkohol war eine der Ursachen. Im vergangenen Jahr gab es 180 Ertrunkene, und in diesem Jahr erwarten wir noch mehr, weil die sehr heißen Tage zu einer enormen Zahl an Einsätzen geführt haben. Meiner Einschätzung nach haben wir bereits zur Mitte der Ferien die gesamte vergangene Saison übertroffen. Im europäischen Vergleich liegen wir vor allem in der Gruppe junger Mann und Alkohol über dem Durchschnitt. Gemeinsam mit dem Tschechischen Fernsehen haben wir deshalb die Kampagne „Do vody s čistou hlavou“ gestartet, also sinngemäß „Mit klarem Kopf ins Wasser“. Darin spielt der Schauspieler Josef Trojan einen unvorsichtigen jungen Mann, der am Ende ertrinkt, weil er nach Alkoholkonsum schwimmen geht und die Gefahr unterschätzt.



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